Bayerischer Sportpreis

Bayerischer Sportpreis Süddeutsche Zeitung:
"Den Preis "Botschafter des bayerischen Sports" konnten die beiden Extremkletterer Alexander und Thomas Huber in Empfang nehmen. Die beiden als "Huberbuam" bekannten Alpinsportler sind längst keine Buben mehr. Mit ihren 40 beziehungsweise 42 Jahren sind sie schon lange im Geschäft und haben bereits so manchen Berg bezwungen. Sie seien "besondere Sympathieträger" des Sports in Bayern, sagte Sportminister Siegfried Schneider in seiner Lobesrede."



Sportminister Siegfried Schneider:

Meine Damen und Herren,

Als Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus bin ich nicht nur für die Schulen zuständig. Sondern auch für den Sport. Das verschafft mir ein ganz besonderes Privileg. Denn ich darf immer wieder zwischen "Homo Sapiens" und "Homo ludens", zwischen Vernunft und Spiel, hin- und herspringen.

Das ist von Vorteil, denn es hält fit. Gemeinhin wird man ja im Laufe seines Beruflebens körperlich immer träger. Ich werde immer sportlicher. Meiner Frau gefällt das gut.

"Bergsteigen gehen" - dazu braucht es immer mehr als eine bloße Seilschaft. Es verlangt Kameradschaft. Bei den Huberbuam ist es die außerordentliche und einmalige Vertrautheit unter Brüdern.

Thomas und Alexander Huber gehören zu den besten Bergsteigern unserer Zeit. Seit etlichen Jahren beweisen sie ihr Können durch spektakuläre Erst-, Speed- und Free Solo-Begehungen. Im alltäglichen Leben gehen die beiden aber eigene Wege. Sie verfolgen individuelle Ziele. Dabei ist jeder für sich. Konkurrenz ist im Spiel, Eifersucht spürbar, Dominanz und Abhängigkeit. Dazu gehört, dass man sich behauptet - auch und gerade gegen den Bruder. Aber im nächsten Augenblick schon macht man sich wieder gemeinsam auf den Weg in die extremsten Felswände. Man klettert zusammen. Und man vertraut das eigene Leben dem Bruder an.

Die Huberbuam sind die idealen Botschafter Bayerns. Denn ihre Botschaften überzeugen. Und sie prägen sich ein: "Du kannst es schaffen, wenn Du es wirklich willst". Oder: "Daheim ist das Wichtigste im Leben".

Sie zieren weltweit die Titelseiten der Klettermagazine. Aber sie sind trotzdem bodenständige, tief in ihrer Heimat verwurzelte Bayern geblieben.

Am El Capitan, dem Kletter-Mekka in den USA, setzen sie den einheimischen Kletterern immer neue Limits. Dennoch hat das, was die Menschen daran fasziniert, mit Chauvinismus nichts zu tun. Was die Menschen an den atemberaubenden Bildern anzieht, was auch die Sportfremden in die Kinos zieht, ist etwas anderes. Die Huberbuam stehen für eine bestimmte Art zu leben. Und darin sind die scheinbar lebensmüden, in Wirklichkeit aber lebenshungrigen Huberbuam vielen Menschen ein Vorbild. Für jeden, der das Träumen nicht verlernt hat. Für alle, die sich nach einem intensiven Leben sehnen. Für alle, die im Leben ihren ganz persönlichen El Capitan besteigen wollen.

Und vielleicht gehört auch das zu dem Drehbuch dieser Lebensauffassung: dass der spektakuläre Speed-Versuch im Film "Am Limit" durch einen spektakulären Sturz von Thomas verhindert wurde. Denn auch darin liegt ja eine Botschaft: Wer ganz nach oben kommen will, wer seinen eigenen Weg gehen will, der braucht eine Vision. Er muss beharrlich und mutig dafür arbeiten. Und auch das gelegentliche Scheitern gehört dazu. Genauso wie das rechtzeitige Umdrehen. Beides ist nur das Anlaufnehmen für den nächsten Versuch.

Und so ist es auch tatsächlich! Beim nächsten Rendezvous mit der 1000 Meter hohen Granitwand klappte es dann auch. Die berühmt-berüchtigte "Nose", für die gute Kletterer 3 bis 4 Tage benötigen, war unter 2 Stunden 48 Minuten bezwungen!

Und was geschieht dann? Natürlich wurde dieser Rekord wieder unterboten. Von zwei Kletterern aus Japan und den USA. Und zwar um genau zwei Minuten!

An dieser Stelle biete ich an, beim nächsten Speed-Versuch die Huberbuam höchstpersönlich zu sichern. Was meinen Sie, wie schnell die dann oben sind!

Ich darf mich ja jetzt zu den Bergkameraden der Huberbuam zählen. Das macht mich schon etwas stolz. Und vielleicht wissen Sie: Unter Bergkameraden und über 1000 Meter Meereshöhe gilt die gleiche Regel - man erzählt sich die ungeschminkte Wahrheit. Und nachdem die Luft hier ähnlich dünn ist wie am Mont Blanc, muss ich meinen Bergkameraden doch noch etwas mit auf den Weg geben: Zwar hat ihre mentale Stärke meinen vollen Respekt. Aber dabei darf ich eines nicht verschweigen: Diese Mentalität verlangt den Frauen und Freundinnen und manchmal sogar den Frauen der Freunde einiges ab! Hier im Saal sitzt der geschätzte Kollege und Bürgermeister von Marquartstein, Andreas Dögerl. Auf seinem Hochzeitsfest bewies der Alexander seine herausragende mentale Stärke, sofort und überall einschlafen zu können. So geschehen zusammen mit dem Bräutigam, als er sich - ermattet von der Feier - zu Bette legte. Als er das Hochzeitsbett zweckentfremdete und brettlbreit drin einschlief …

Ich kann mir jedenfalls vorstellen: Der liebe Kollege Dögerl war nach der ausgefallenen Hochzeitsnacht seiner frischgebackenen Ehefrau gegenüber sicher argumentativ "Am Limit".

Aber wie dem auch sei: Vorbilder sind die Huberbuam seit dem Erfolg des Kinofilms "Am Limit" aktuell für viele Jugendliche. Die Kletter-AG´s an unseren bayerischen Schulen und die Sport-Kletter-Kurse in den Vereinen erleben einen wahren Boom.

Nach dem Motto: "Jeder Unsinn ist erlaubt, Hauptsache er ist vertikal", ist Klettern dabei keine bloße "Bewegungstherapie". Die Huberbuam konsumieren das Leben nicht, sie gestalten. Sie leben vor, dass nicht das Materielle zählt, sondern Werte wie Glaube, Leidenschaft, Kameradschaft, Verantwortung und Leistungsbereitschaft. Die Huberbuam stehen für Werte, die heute so notwendig sind wie vielleicht nie zuvor. Und deshalb sind sie Vorbilder.

Meine Damen und Herren,

Der Bayerische Sportpreis in der Kategorie "Botschafter" geht an die Huberbuam!

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