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Die Nose am El Capitan, die berühmteste Kletterroute der Welt. 1000 Meter kompakter Granit,
der zentrale Felspfeiler, gezeichnet von Licht und Schatten, trennt den El Cap in eine SW- und
SO-Wand. An diesem Felswunder wurde Klettergeschichte geschrieben. Warren Harding kletterte 1958,
nach nicht weniger als 41 Tagen harter Arbeit, als erster Mensch durch diese damals schwierigste
Felsroute der Welt. Fast zwanzig Jahre dauerte es bis Jim Bridwell, John Long und Billy Westbay die
Nose an einem einzigen Tag durchsteigen konnten, die Geburt des Speed-Kletterns. Lynn Hill setzte
1994 einen Meilenstein der Klettergeschichte als sie diese Route Rotpunkt kletterte und das Team
Yuji Hirayama/Hans Florine schockten im September 2002 die Kletterwelt mit einer Zeit von 2 Stunden
48 Minuten 50 Sekunden. Diese Rekordzeit ist für die gesamte Klettergemeinde unfassbar,
unvorstellbar, jenseits jeglicher Realität und dadurch umso faszinierender.
Die Regeln des Speedkletterns sind sehr einfach:
-Das Team klettert so schnell als möglich vom Einstieg bis zum Ausstieg. Kletterstil: Alles
ist erlaubt, vom technischen bis zum Freiklettern - Hauptsache schnell - jedoch ist keine spezielle
Präparierung der Route zugelassen.
-Der Start ist am Beginn der ersten offiziellen Seillänge, d.h. das letzte Band am oberen Ende
des Schrofenvorbaus. Endpunkt und somit Ziel der Speedbegehung ist der erste Baum 20 Meter nach dem
letzten Standplatz.
-Der Routenverlauf ist klar durch die klassische Linienführung definiert.
-Die Zeit stoppt jeweils die Seilschaft selbst, Ehrlichkeit ist somit das höchste Gebot.
Allerdings gibt es heute am El Capitan keine Geheimnisse mehr und wenn eine Seilschaft sich aufmacht,
den Rekord an der Nose zu knacken, so darf sie sich sicher sein, von mehr als hundert Leuten beobachtet
und bejubelt zu werden.
-Die Zeitnahme wird gestartet, wenn der Seilerste das Band verlässt. Die Zeit wird gestoppt wenn
der Seilzweite den Baum erreicht.
Klingt alles sehr einfach aber die aktuelle Rekordzeit von Hirayama/Florine erhebt das Abenteuer "Speed
Nose" zu einer der besonderen Kletterabenteuer unserer Zeit. Im Zusammenhang mit der Kinoproduktion "Am
Limit" nahmen wir im Herbst 2005 die Herausforderung an. Sehr früh erkannten wir, dass wir für
dieses Ziel all unsere Erfahrungen ausspielen müssen. Durch die radikale Sicherungstaktik suggeriert
das Seil oft eine Sicherheit, die in der Realität so nicht vorhanden ist. Ein Fehler hätte oft
genug fatale Folgen.
Bei unserem ersten Versuch im Herbst 2005 stürzte Alexander im leichten Gelände durch einen
Griffausbruch 17 Meter in die Tiefe. Er hatte Glück, dabei mit nur vergleichsweise kleinen
Verletzungen an den Sprunggelenken davon zu kommen, das Projekt musste aber abgebrochen werden.
Frühjahr 2006 unternahmen wir einen weiteren Versuch. Dieses Mal war ich es, der während
eines Rekordversuchs, der uns in die Nähe von 2:48 hätte bringen können, stürzte.
Ein Felsband bremste meinen Flug schmerzhaft: schwere Prellungen beendeten vorzeitig unseren großen
Traum. Trotz der Fehlschläge wurde der Film "Am Limit" ein großer Erfolg. Das Scheitern und
der Reiz, große Ziele zu verfolgen, reflektieren das Leben selbst. "Lebe deinen Traum, wenn nicht
heute, dann morgen!" Es wird zum Leitsatz unserer Zukunft.
13.09.07. Wir sind wieder im Yosemite. Zwei Tage später kletterten wir in 10 Stunden durch die
Nose, sind müde und enttäuscht. Nach dieser Begehung rückte der Rekord scheinbar wieder
in weite Ferne, nur der Glaube an uns, der bleibt. Wir geben nicht auf! Nach einen Tag Erholung ziehen
wir uns wieder diese 1000 Meter rein, - same procedere- und wir wiederholen es wieder und wieder…. Nach
fünf Durchsteigungen ist gedanklich alles gespeichert, alle taktischen Raffinessen eingeschliffen,
mental und körperlich die nötige Kraft
vorhanden.
Team-Taktik: Wir klettern in 4 Blöcken, ich starte, klettere bis zum Ende des "Sickle Ledge",
Alexander übernimmt die Seilführung bis zur "Boot-Flake", ich übernehme wieder am Kingswing
die Rolle des Seilersten bis zum "Glowering Spot". Alexander sprintet die letzten Seillängen zum Gipfel.
Sicherungstaktik: Shortfixing und Simultanklettern.
Gear pro Block: Camelots von 0-4, drei kleine Stopper, ein Cam Hook, 14 Expressschlingen und 20 Karabiner.
Dann geht alles viel schneller als erwartet. Schon während des sechsten Durchstiegs klettern Alexander
und ich in "lockeren" 3h 18 min. durch die Nose. Wir sind überrascht, fühlen uns sehr fit am
Gipfel des El Cap und wollen schon beim nächsten Mal einen "scharfen" Versuch wagen.
Aber erst : 3 Tage Pause. 4. Oktober, 7 Uhr morgens, wir starten.… sind gut unterwegs…. kurzer Zeitcheck
am "Boot": 1:18… wird knapp, aber mit Glück schaffen wir es…ich verliere am "Great Roof" eine
Trittleiter… passieren mitten in der "Changing Corner" eine Seillschaft...verlieren wertvolle
Zeit…..Zeitcheck an der letzten Seillänge….kaum noch Chancen auf den Rekord… wenn, nur sehr knapp…..
wir geben alles…auf den letzten Metern …. die Suunto stoppt bei 2:48,35. Noch wissen wir nicht ob wir
den Rekord haben. Erst Stunden später bekommen wir die Bestätigung von Hans Florins Web Site
www.speedclimb.com...seine exakte Zeit ist 2:48,50. Wir waren ganze 15 Sekunden schneller. Kaum zu
glauben, auf 1000 Meter entscheiden 15 Sekunden. Wir feiern. Und wir wissen, wir haben einige Zeit auf
der Strecke liegen lassen, die wollen wir uns noch holen.
Vier Tage später: Zweiter Versuch. Ohne Druck den Rekord schaffen zu müssen, wir haben ihn
ja. Dieses mal kein Leiterverlust (ich hab zur Not sogar eine Ersatzleiter dabei), aber wieder müssen
wir 2 Teams kompliziert überholen, und verlieren wertvolle Zeit….und dennoch, es reicht. Wir sind
noch schneller: Die Zeit stoppt bei 2:45,45. Es ist geschafft, wir sind wie erlöst... Und für
einige Kletterer ist eine neue Vision geboren, diesen Rekord zu knacken. Nichts ist für die Ewigkeit
und das ist gut so.
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