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Desmochada Südwestpfeiler, "Golden Eagle" (Patagonien)
Am 29. Januar um Mittag stiegen Stephan Siegrist und ich vom Bridwell-Camp (Basislager) zum
Campo des los Polacos auf. Am nächsten Morgen um sechs Uhr, pünktlich mit dem ersten
Licht, kletterten wir seilfrei über den gestuften Vorbau bis direkt zum Fuss des
Südwestpfeilers der Desmochada. Diese von Jim Bridwell erstbestiegene Granitnadel besticht
durch ihren markanten Gipfel: Eine 100 Meter lange, wie mit dem Messer abgeschnittene und absolut
waagrechte Gipfelschneide.
"Golden Eagle" verläuft im unteren, nicht ganz senkrechten Pfeilerabschnitt links der Kante.
Der senkrechte Zentralteil wird dagegen stets knapp rechts der Kante an einem durchgehenden
Risssystem durchklettert.
Der Rest der Route verläuft über den deutlich flacheren und leichteren Teil auf den Gipfel.
Um neun Uhr begannen wir mit der Kletterei und erreichten neun Uhr abends das Ende des senkrechten
Wandteiles. Wir fixierten unsere zwei Kletterseile und seilten zurück zum ‚Eagel's Nest', einem
markanten Felsturm, auf dem es sich hervorragend biwakieren lässt.
Am nächsten Morgen starteten wir nach einer angenehmen Biwaknacht und erreichten mit relativ
starkem Wind um elf Uhr den Gipfel der Desmochada. Über die bereits eingerichtete Abseilführe
der Amerikaner seilten wir zurück.
18.00 erreichten wir unser Zelt am Campo des los Polacos. Am nächsten Morgen ging es wieder
vollbeladen in das Bridwellcamp zurück.
Die Erstbegehung von ‚Golden Eagle' wurde von uns ohne vorhergehende Erkundung und ohne jegliche
Voreitung in reinem Alpinstil von Basislager zum Basislager durchgeführt.
Infolge des Neuschneefalls der vorgängigen Tage waren 3 Seillängen im senkrechten Wandteil
vereist. Aufgrund dieser Bedingungen wurden in der ersten dieser Seillängen zwei kurze Stellen
hakentechnisch geklettert (A1, bei guten Bedingungen duerften die Schwierigkeiten in freier Kletterei
den Grad 5.11 wohl nicht überschreiten). Der Rest der Route ging in freier Kletterei, wobei
aufgrund der Kälte vor allem die schwierigeren Seillängen mit Ruhen geklettert wurden
(a.f., bis 5.11).
Der Zentralteil bietet überwiegend sehr steile Handrisse an kompakten und sehr grobkörnigem
Granit (Tape kann durchaus empfehlenswert sein). Im Rest der Route herrscht moderate, nicht allzu steile
Wandkletterei vor. Für eine Wiederholung empfehlen wir Camalot Größe 0 bis 4, mittlere
Grössen doppelt, und einen kompleten Satz Stopper. Darüber hinaus ist kleines Hakenset durchaus
sinnvoll. Außer einem Haken in der Seillänge Neun und einem Keil im darauf folgenden Standplatz
befindet sich keinerlei Material in den 25 Seillängen der Route.
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